„Nach meinem Masterstudium in den USA, das ich dank eines Stipendiums absolvieren konnte, kehrte ich etwas ratlos nach Köln zurück. Das Studium der Mass Communications an der Boston University war spannend, aber durch seinen breiten Ansatz wenig hilfreich für eine klare berufliche Orientierung.
Es folgte die faw in Köln. Etwa 1,5 Jahre lang lernte ich dort gemeinsam mit rund 14 jungen Akademiker*innen das Handwerk der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Ausgewählt aus etwa 400 Bewerbungen fühlten wir uns zu Recht privilegiert: In Zeiten der Akademikerschwemme hatten wir einen begehrten Fortbildungsplatz ergattert, der uns auf neue berufliche Felder in der Kommunikations- und Medienwelt vorbereitete. Fachliche Horizonterweiterung und unterstütztes Netzwerken in die Wirtschaft gehörten dazu. Die faw war eine Initiative des Instituts der deutschen Wirtschaft, bei dem ich später ebenso ein Praktikum absolvierte wie bei Schreinemakers Live und dem damals neu gegründeten Sender VOX.
Wie so oft in meinem Leben waren es die Persönlichkeiten, die mich prägten – allen voran an der faw Norbert Schulz-Bruhdoel. Mit seinen eloquenten, fast enzyklopädischen Vorträgen fesselte er uns ganztägig. Dass er sich Anfang der 90er Jahre im beruflichen Kontext offen als schwuler Mann outete, beeindruckte mich zutiefst und ermutigte mich, ebenfalls offen zu leben. In der Gruppe war ich längst als Frau in einer Frauenbeziehung geoutet – und wollte das auch beruflich beibehalten.
Nach der Fortbildung arbeitete ich zunächst kurzzeitig als Gleichstellungsbeauftragte mit eigenem Pressebüro, später verantwortete ich die Pressearbeit eines Frauenbildungsinstituts. Parallel absolvierte ich eine mehrjährige Fortbildung zur Management-Supervisorin (heute würde man Coach sagen) und machte mich schließlich mit meiner eigenen Methode „DreamGuidance“ selbstständig. Selbstbestimmt zu leben – wie viele meiner selbstständigen Vorfahren – war immer mein Traum gewesen.
Die in der faw erworbene Kommunikationsexpertise half mir, mich selbst professionell zu positionieren. Bücher, später auch Social Media, unterstützten mich dabei, ein damals noch wenig bekanntes Berufsbild am Markt zu etablieren. Meine Nische war die als „beratungsresistent“ geltende Medienbranche – ein Feld, das ich kannte und in dem ich mich erfolgreich als Coach und Fachautorin etablieren konnte. Dafür bin ich bis heute dankbar.
Zu Norbert Schulz-Bruhdoel hielt ich bis zu seinem Tod freundschaftlichen Kontakt. In einem persönlichen Nachruf würdigte ich ihn – und damit auch die faw. Zu meinem 60. Geburtstag schenkte er mir ein Textporträt, das noch einmal auf unsere gemeinsame Zeit zurückblickte.“
Birgitt Morrien
Senior Business Coach DBVC, US-diplomierte Kommunikationswissenschaftlerin und Buchautorin





