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Bewusstsein für Autismus schaffen

Akademie Bielefeld

Interview mit Diplom-Pädagogin Vera Trocha der FAW Bielefeld, Koordinatorin des Projekts KompASS der Akademie Bielefeld für junge Menschen mit Autismus.

Illustration zum Thema Autismus

In Deutschland leben über 600.000 Menschen mit Autismus. Sie stehen oft vor besonderen Herausforderungen, die oft auch den Einstieg in das Arbeitsleben betreffen. Deshalb setzt sich die FAW mit verschiedenen Projekten für die berufliche und soziale Integration von Menschen mit Autismus sein. Die Akademie Bielefeld initiert unter der Leitung der Diplom-Pädagogin Vera Trocha das Projekts KompASS, das junge Menschen im Autismus-Spektrum unterstützt. Das Projekt wird an sechs Standorten der FAW Bielefeld angeboten.

Anlässlich des internationalen Weltautismus-Tages am 2. April haben wir mit Diplom-Pädagogin Vera Trocha gesprochen.

Wann ist Ihnen das Thema Autismus zum ersten Mal begegnet?

Das ist schon lange her (lacht). Direkt nach meinem Abi in einem Praktikum bei der Lebenshilfe in der Nähe von Bremen. Dort habe ich eine Gruppe von Menschen mit Behinderung mitbetreut, darunter auch ein Autist. Damals habe ich gelernt, welche Besonderheiten Menschen im Autismus-Spektrum auszeichnen. Autismus war damals aber noch nicht intensiv erforscht. 

Was hat sich seitdem geändert?
Sehr viel. Heute weiß man viel mehr über Autismus, über seine unterschiedlichen Varianten und vor allem über die Besonderheiten. Das ist sehr wichtig, gerade was die Vermittlung in Ausbildung und Beruf angeht. Menschen mit Autismus verstehen z.B. bestimmte Zusammenhänge besser mit Hilfe von Visualisierungen. So können wir Bilder einsetzen, um über die Darstellung der Mimik die dahinterliegenden Gefühle zu vermitteln. Anderseits halten sich manche Vorurteile hartnäckig. 

Welche Vorurteile sind das?
In meiner Arbeit sind es oft die „Vorurteils-Berufe“. So nenne ich die Berufe, die Menschen mit Autismus häufig zugeordnet werden. Es stimmt, dass manche besondere Hochbegabungen haben und ihre Fähigkeiten z.B. in der IT gut einsetzten können, aber in der Wirklichkeit ist die Bandbreite viel größer. Oft kommt im Laufe unserer Arbeit salopp gesagt eine ganz andere Ausbildung heraus als erwartet wurde. Und dafür ist manchmal schon ganz schön Überzeugungsarbeit nötig (lacht).

Worum geht es bei KompASS genau?
KompASS ist eine sogenannte berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme. Wir arbeiten also mit den jungen Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung an den Voraussetzungen für einen erfolgreichen Einstieg ins Arbeitsleben. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind zwischen 17 und 21 Jahre alt. 

Wie finden die Teilnehmer*innen zu Ihnen?
Meistens sind es die Eltern, die von KompASS erfahren haben und dann den Kontakt mit uns suchen. Wir bieten im Vorfeld von Maßnahme-Starts Info-Gespräche für potentielle Teilnehmer*innen und Eltern an. 

Welche Stationen durchläuft ein*e Teilnehmer*in bei KompASS?
In der Einstiegsphase geht es grundsätzlich um die Frage, welcher Beruf zu den Stärken des Einzelnen passt. Gleichzeitig trainieren wir je nach Bedarf auch die sozialen Kompetenzen. Denn diese beeinflussen ja maßgeblich die Chancen im Berufsleben, z.B. ob ein/e Teilnehmer*in alleine in einer Wohnung leben kann oder nicht. Später vermitteln wir auch die passenden theoretischen und praktischen Kenntnisse und Fähigkeiten, die auf das ins Auge gefasste Berufsbild optimal vorbereiten. Und natürlich gehört auch Bewerbungstraining dazu. 

Gibt es in Ihrer Arbeit einen Schlüsselmoment?
Da gibt es mehrere. Aber besonders spannend ist es schon, wenn Teilnehmer*innen erstmals unter realen Bedingungen ihre Fähigkeiten in Firmen ausprobieren. Das passiert in der Orientierungsphase im Rahmen der sogenannten betrieblichen Erprobung. Auch in dieser Zeit begleiten wir natürlich Teilnehmende und Unternehmen. 

Was sind die besonderen Herausforderungen in Ihrer Arbeit?
Man braucht einen langen Atem. Denn die Voraussetzungen sind wirklich immer sehr individuell. Die Schwerpunkte liegen je nach Fall und Phase der Maßnahme entweder stärker auf der Arbeit mit dem/der Teilnehmer*in selbst, in der Zusammenarbeit mit den Eltern oder auch im Dialog mit Unternehmen, z.B. auf der Suche nach einem Praktikumsplatz.

Falls wir Ihr Interesse geweckt haben, finden Sie hier weitere Informationen zum Projekt KompASS der FAW Bielefeld.

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