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Weltautismus-Tag der Vereinten Nationen am 2. April

faw Aktuell

In Deutschland leben über 600.000 Menschen mit Autismus. Sie stehen oft vor besonderen Herausforderungen, auch was den Einstieg in das Arbeitsleben betrifft. Deshalb setzt sich die FAW mit verschiedenen Projekten für die berufliche und soziale Integration von Autist*innen ein.

Der internationale Weltautismus-Tag der Vereinten Nationen macht seit 2008 jährlich am 2. April auf Menschen mit Autismus aufmerksam. Wir haben anlässlich des Welttages mit Vera Trocha von der FAW Bielefeld gesprochen. Die Diplom-Pädagogin und Reiseverkehrskauffrau hat 2012 in Gütersloh in der FAW angefangen und leitet seit 2015 als Koordinatorin das Projekt KompASS der Akademie Bielefeld für junge Menschen mit Autismus. Inzwischen ist es gewachsen und wird an sieben Standorten angeboten. 

Porträtbild Vera Trocha
Vera Trocha, Koordinatorin Projekt KompASS

Wann ist Ihnen das Thema Autismus zum ersten Mal begegnet?

Das ist schon lange her (lacht). Direkt nach meinem Abi in einem Praktikum bei der Lebenshilfe in der Nähe von Bremen. Dort habe ich eine Gruppe von Menschen mit Behinderung mitbetreut, darunter auch ein Autist. Damals habe ich gelernt, welche Besonderheiten Autisten auszeichnen. Autismus war damals aber noch nicht intensiv erforscht. 

Was hat sich seitdem geändert?

Sehr viel. Heute weiß man viel mehr über Autismus, über seine unterschiedlichen Varianten und vor allem über die Besonderheiten. Das ist sehr wichtig, gerade was die Vermittlung in Ausbildung und Beruf angeht. Autisten verstehen z.B. bestimmte Zusammenhänge besser mit Hilfe von Visualisierungen. So können wir Bilder einsetzen, um über die Darstellung der Mimik die dahinterliegenden Gefühle zu vermitteln. Anderseits halten sich manche Vorurteile hartnäckig. 

Welche Vorurteile sind das?

In meiner Arbeit sind es oft die „Vorurteils-Berufe“. So nenne ich die Berufe, die Autisten häufig zugeordnet werden. Es stimmt, dass manche Autisten auch besondere Hochbegabungen haben und ihre Fähigkeiten z.B. in der IT gut einsetzten können, aber in der Wirklichkeit ist die Bandbreite viel größer. Oft kommt im Laufe unserer Arbeit salopp gesagt eine ganz andere Ausbildung heraus als der Teilnehmer oder seine Eltern erwartet hatten. Und dafür ist manchmal schon ganz schön Überzeugungsarbeit nötig (lacht).

Worum geht es bei KompASS genau?

KompASS ist eine sogenannte berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme. Wir arbeiten also mit den jungen Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung an den Voraussetzungen für einen erfolgreichen Einstieg ins Arbeitsleben. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind zwischen 17 und 21 Jahre alt. 

Wie finden die Teilnehmer*innen zu Ihnen?

Meistens sind es die Eltern, die von KompASS erfahren haben und dann den Kontakt mit uns suchen. Wir bieten im Vorfeld von Maßnahme-Starts Info-Gespräche für potentielle Teilnehmer*innen und Eltern an. 

Welche Stationen durchläuft ein*e Teilnehmer*in bei KompASS?

In der Einstiegsphase geht es grundsätzlich um die Frage, welcher Beruf zu den Stärken des Einzelnen passt. Gleichzeitig trainieren wir je nach Bedarf auch die sozialen Kompetenzen. Denn diese beeinflussen ja maßgeblich die Chancen im Berufsleben, z.B. ob ein Teilnehmer alleine in einer Wohnung leben kann oder nicht. Später vermitteln wir auch die passenden theoretischen und praktischen Kenntnisse und Fähigkeiten, die auf das ins Auge gefasste Berufsbild optimal vorbereiten. Und natürlich gehört auch Bewerbungstraining dazu. 

Gibt es in Ihrer Arbeit einen Schlüsselmoment?

Da gibt es mehrere. Aber besonders spannend ist es schon, wenn Teilnehmer erstmals unter realen Bedingungen ihre Fähigkeiten in Firmen ausprobieren. Das passiert in der Orientierungsphase im Rahmen der sogenannten betrieblichen Erprobung. Auch in dieser Zeit begleiten wir natürlich Teilnehmende und Unternehmen. 

Was sind die besonderen Herausforderungen in Ihrer Arbeit?

Man braucht einen langen Atem. Denn die Voraussetzungen sind wirklich immer sehr individuell. Die Schwerpunkte liegen je nach Fall und Phase der Maßnahme entweder stärker auf der Arbeit mit dem Autisten selbst, in der Zusammenarbeit mit den Eltern oder auch im Dialog mit Unternehmen, z.B. auf der Suche nach einem Praktikumsplatz.

Wie lautet Ihr Wunsch zum Weltautismus-Tag?

Dass es gelingt, noch offener mit dem Thema umzugehen. Und natürlich, dass noch mehr Arbeitgeber die Chance erkennen: Sie können mit Autisten tolle Mitarbeiter*innen gewinnen.


Vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Informationen zum Angebot KompASS 

Projekt Kompass der Akademie Bielefeld

Weitere Maßnahmen für Menschen mit Autismus in der FAW

Informationen zum Thema Autismus beim Bundesverband Autismus Deutschland e.V.

www.autismus.de 
 

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