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BTZ Gera eröffnet – barrierefreie Textversion

Mit helfender Hand in Job oder Lehre

Im Elster Cube hat das Berufliche Trainingszentrum für Menschen mit psychischer Störung die Arbeit aufgenommen

Gera. Viel Bewegung herrscht derzeit auf dem Gelände des Elster Cube-Gewerbekomplexes an der  Vogtlandstraße. Während eines der Nebengebäude, die sogenannte Temperhalle, baulich derzeit auf Hochtouren für das „Bio Werk 8“ mit Bio-Großküche und Bio-Supermarkt vorbereitet wird, hat sich  auch im Haupthaus einiges getan.

Anfang März hat hier ein neuer Mieter auf 1200 Quadratmetern im Erdgeschoss seine Arbeit aufgenommen: das BTZ der FAW gGmbH. Hinter diesen Abkürzungen steckt das Berufliche Trainingszentrum (BTZ) Gera des Bildungsträgers Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW). Während der Träger in Gera bereits aktiv war, ist das BTZ Gera eine Neuansiedlung in der Stadt.

In Gera 30 Plätze für Rehabilitanden

„Wir sind eine Einrichtung zur beruflichen Rehabilitation, speziell von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen“, erklärt Corina Gerling, Leiterin des BTZ in Plauen, zu dem die neue Außenstelle  Gera gehört. Es geht um Menschen, die nach Diagnosen wie Depression, Borderline, Schizophrenie, Angst-, Persönlichkeits - oder Verhaltensstörungen erstmals oder wieder auf dem Arbeits- oder  Ausbildungsmarkt Fuß fassen wollen und dies mit entsprechender Förderung auch können. Ein zehnköpfiges Team aus Sozialpädagogen, Ergotherapeuten, Psychologen, Berufstrainern und Ausbildern will sie in Gera bei diesem Wunsch unterstützen, sagt Christin Beinhauer. Die junge Wirtschaftspsychologin aus Greiz ist als Koordinatorin zuständig für die Geraer Außenstelle.

Vom Alltagstraining und der allmählichen Belastbarkeitssteigerung unter geschützten Bedingungen über die Berufsorientierung und Praktika bis zur Suche nach einem Arbeits- oder Ausbildungsplatz begleitet das BTZ-Team die Klienten – in der Regel  elf Monate vor Ort und dann noch ein halbes Jahr in Nachbetreuung  am neuen Arbeits- oder Ausbildungsplatz.

Finanziert durch Rentenversicherung und Arbeitsagentur müsse das BTZ eine Erfolgsquote von mindestens 75 Prozent vorweisen, erklärt Corina Gerling. In Plauen gelinge dies seit nun 22 Jahren. Wichtig ist aber: Es muss freiwillig passieren. „Die Leute müssen es wollen.“ Dann steht ihnen eine sehr individuell zugeschnittene Betreuung offen. Ein Ausschlusskriterium ist eine bestehende Suchterkrankung, nicht selten Auslöser oder Begleiterscheinung der erwähnten psychischen Probleme.

30 Plätze stehen in Gera für Rehabilitanden zur Verfügung, etwa die Hälfte davon ist bereits gefüllt. Der Start ist im Prinzip das ganze Jahr über möglich, sagt Corina Gerling. Der Bedarf scheint da zu sein: Es seien die Kostenträger selbst gewesen, die eine Außenstelle in Gera angeregt hätten, sagt die BTZ-Leiterin. Neben diesen gehören natürlich Arbeitgeber zum Netzwerk des BTZ, zum einen, wennder Träger nach Stellen für die Rehabilitanden sucht, aber auch andersherum. „Arbeitgeber, diePersonal suchen, können gern an uns herantreten“, sagt Corina Gerling. Man berate sie auch zu Fördermöglichkeiten.

Zur beruflichen Qualifizierung gehören auch die im Elster Cube geschaffenen praktischen Trainingsbereiche. So gibt es eine Metall- und Elektrowerkstatt, eine Küche sowie kaufmännische oder hauswirtschaftliche Bereiche. Und bald auch ein Café als weitere Trainingsstation, etwa im Verkauf. Ein Beispiel, wie sich auch der Bildungsträger konzeptionell in den Gewerbekomplex einfügt. Denn das Trainings-Café mit Kaffeerösterei soll öffentlich werden, gerade auch für Mitarbeiter umliegender Unternehmen. Und es solle künftig kooperieren mit dem „Bio Werk 8“.

Autor: Marcel Hilbert