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Aktuelles aus der FAW

Diskussionsrunde auf der Bühne.

Interviewrunde „Best Practice“. V.l.n.r.: Marianela von Schuler Alarcón (Zahnärztin), Martin Rosenau (Sanitätshaus Rosenau), Martin Wangnick (Sanitätshaus Rosenau), Dörte Maack (doerte-maack.de), Dr. Tobias Stephan Kaeding (HAMBURG WASSER), Nicole Plinz (Zentrum für Stressmedizin im Asklepios Klinikum in Hamburg Harburg und St. Georg).

Moderatorin steht neben dem Rednerpult.

Dörte Maack, Moderatorin des Abends.

Gruppenfoto der Gastredner.

V.l.n.r. Reihe hinten: Martin Rosenau (Sanitätshaus Rosenau), Martin Wangnick (Sanitätshaus Rosenau), Dr. Tobias Stephan Kaeding (HAMBURG WASSER), Jens Witte (Deutsche Rentenversicherung Bund), Mathias Sutorius (Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e.V.), Dr. Jochen Kries (KVHH), Peter Kleinsorge (PHH Personaldienstleistung GmbH). Reihe vorne: Marianela von Schuler Alarcón (Zahnärztin), Caroline Roos (stv. Vorstandsvorsitzende der KVHH), Nicole Plinz (Zentrum für Stressmedizin im Asklepios Klinikum in Hamburg Harburg und St. Georg), Stefanie Schäfer (KVHH), Dörte Maack (doerte-maack.de), Michaela Hogg (KVHH), Marlies Faedtke (FAW gGmbH).

"Return to Work" – Kampagne „...und es geht doch“ zu Gast im Ärztehaus der KV Hamburg

21.11.2019

Am 13. November hat im Ärztehaus der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVH) die 16. Veranstaltung der Kampagne „... und es geht doch“ zur beruflichen Inklusion von Menschen mit Behinderung stattgefunden. Die Kampagne war 2004 gegründet worden, um Hamburger Arbeitgeber mit innovativen Veranstaltungsformaten für die berufliche Inklusion schwerbehinderter Menschen zu gewinnen. Ziel ist es, das Engagement von Unternehmen und Betrieben öffentlichkeitswirksam und unter immer neuen Blickwinkeln zu präsentieren und sie mit Experten und Betroffenen zusammenzubringen.

Das Schwerpunktthema der diesjährigen Veranstaltung unter dem Motto „Return to Work“ war die Reintegration ins Arbeitsleben. Ganz gleich ob Fachkräftemangel, demografische Veränderungen oder zunehmende psychische Belastungen und Erkrankungen: die erfolgreiche Rückkehr an den Arbeitsplatz wird zu einer immer größeren Herausforderung.

Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVHH, Caroline Roos, berichtete von der Umsetzung der Barrierefreiheit nicht nur in den Hamburger Arztpraxen, sondern auch schon bei der Arztsuche auf den Internetseiten der KVHH. Dort werde ab dem nächsten Jahr auch nach den verschiedenen Graden von Barrierefreiheit unterschieden. Und auch im Gebäude des Ärztehauses in der Humboldtstraße wurde Barrierefreiheit konsequent umgesetzt.

Digitalisierung als Chance

Konkrete Zahlen lieferte in seinem Grußwort Sönke Fock, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hamburg. Jede siebte Person in Hamburg habe eine Behinderung, und trotzdem seien Menschen mit Behinderung anteilig besser ausgebildet und im Vergleich seltener krank als ihre nicht behinderten Kollegen, so Fock. Gleichwohl sei es für sie ungleich schwerer, wieder in Arbeit zu kommen. Mit Verve warb Sönke Fock dafür, weiter daran zu arbeiten, Vorurteile abzubauen. Der Arbeitsmarkt solle sich auf die Bedürfnisse seiner Fachkräfte einstellen, eben auch der Bedürfnisse der Fachkräfte mit Behinderung. Den Trend zur Digitalisierung beschrieb er als mögliche Chance für Menschen mit Handicap.

Christian Böttger vom Arbeitgeberverband der Ernährungsindustrie Hamburg/Schleswig-Holstein/Mecklenburg-Vorpommern erhält fortlaufend Anfragen von Mitgliedsunternehmen mit der Bitte um rechtlichen Beistand. Oft gehe es um Möglichkeiten, wie ein bestehendes Arbeitsverhältnis trotz fortdauernder Einschränkung möglichst weitergeführt werden kann. Nach seiner Erfahrung würden jedoch nur die wenigsten Arbeitsverhältnisse aus Krankheitsgründen beendet.

Jens Witte (Deutsche Rentenversicherung Bund) stellte die umfassenden Angebote der Deutschen Rentenversicherung für Arbeitgeber vor. Einen besonderen Stellenwert habe die Prävention, denn die Teilhabe am Arbeitsleben solle möglichst lange erhalten werden („Reha vor Rente“).

Nicole Plinz (Leitung des Zentrums für Stressmedizin im Asklepios Klinikum in Hamburg Harburg und St. Georg) sprach zum Thema Wiedereingliederung nach psychischer Erkrankung. Die wichtigsten Faktoren für ein gutes Gelingen sind nach ihrer langjährigen Erfahrung eine langsame Steigerung der Belastung und ein abgestimmter, detaillierter Plan dafür, an den sich dann auch alle Beteiligten halten. Die Rückkehr solle nicht zu lange aufgeschoben werden. Anstatt Defizite oder Negatives zu betonen, empfahl sie eine „Positiv-Liste“. Der wichtigste Faktor ist für sie die normale Kommunikation miteinander, das Miteinander-Reden! Für sie sind die Bereitschaft, Vorurteile fallen zu lassen sowie eine aufgeschlossene Kultur im Unternehmen die wichtigsten Faktoren für das Gelingen von Return to Work.

Was Arbeitgeber zum Teilhabeplanverfahren der Rehabilitationsträger wissen müssen erläuterte Mathias Sutorius von der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e. V.

Bundesverdienstkreuz für Inklusionarbeit

Ganz praxisnah wurde es in der Interviewrunde „Best Practice“ mit Vertreterinnen und Vertretern aus vier Unternehmen. Mit ansteckender Begeisterung berichtete die Zahnärztin Marianela von Schuler Alarcón über ihre Arbeit, für die ihr gerade das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde. Sie hatte vor sechs Jahren begonnen, in ihrer Praxis auch gehörlose Patienten zu behandeln und gehörlose junge Frauen zu zahnmedizinischen Fachangestellten auszubilden. Um die ersten Auszubildenden zu finden, drehte sie ein Video in Gebärdensprache. Derzeit hat ihre Praxis 17 Mitarbeiterinnen, von denen 70% gehörlos sind. Die spezifischen zahnmedizinischen Begriffe hat Frau von Schuler Alarcón erstmals in Gebärdensprache übersetzt. Aber damit nicht genug: Sie möchte auch andere Praxen animieren, sich stärker für gehörlose Menschen zu öffnen und hat dafür den Verein In Deaf Med gegründet.

Für Martin Rosenau, Geschäftsführer des Sanitätshauses Rosenau GmbH, wird Inklusion schon seit Jahrzenten im Unternehmen gelebt. Er dankte der Inklusionslotsin der Handwerkskammer Hamburg, Stefanie Wöste, für die Unterstützung, um sich in den Wirren der Zuständigkeiten besser zurechtzufinden. Sein Mitarbeiter Martin Wangnick berichtet, dass er aufgrund eines Verkehrsunfalls amputiert werden musste und seinen alten Beruf nicht mehr ausüben konnte. Ein neuer Beruf musste her und der sollte wieder im Handwerk sein. Inzwischen hat Martin Wangnick seine Ausbildung zum Orthopädietechnik-Mechaniker abgeschlossen und sein Selbstwertgefühl zurückerobert.

Für Dr. Tobias Stephan Kaeding, Abteilungsleiter Health and Safety bei HAMBURG WASSER, sind umfangreiche präventive Maßnahmen wichtig und die reibungslose Zusammenarbeit aller Beteiligten im Fall von BEM. Beispielsweise kommen die bei Hamburg Wasser eingesetzten Hebehilfen allen Mitarbeitern zugute.

Marlies Faedtke, Leiterin von BIHA (Beratungs- und Inklusionsinitiative Hamburg) der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) dankte der KV für die Einladung in das Ärztehaus. Eine Kampagne wie „... und es geht doch“ ohne die großzügige und professionelle Unterstützung von Unternehmen durchzuführen, sei schlicht nicht möglich, so Faedtke. Insbesondere galt ihr Dank Caroline Roos, Dr. Jochen Kriens und seinem Team mit Stefanie Schäfer und Michaela Hogg, der Vertrauensperson schwerbehinderter Menschen der KV Hamburg. Diese hatte nach dem Besuch der letztjährigen Veranstaltung bei Airbus vorgeschlagen, die Veranstaltung 2019 in das Ärztehaus der KVH einzuladen. Schon in den vergangenen Jahren hatten namhafte Unternehmen wie Otto, Airbus, Eurogate, Beiersdorf, das UKE und die Hamburger Hochbahn die Kampagne „… und es geht doch“ unterstützt.

Ein Konzert des Hamburger Ärzteorchesters unter der Leitung des Dirigenten Thilo Jaques hatte den hochkarätigen Auftakt des Abends mit rund 120 Gästen gemacht, durch den die blinde Moderatorin Dörte Maack fachkundig und charmant führte. Das abschließende Get together nutzten die Gäste rege zum Netzwerken.

Die Kampagne „…und es geht doch“ wird getragen von diesen fünf Partnern:

  • Ausblick Hamburg GmbH /Integrationsfachdienst Hamburg,
  • Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) gGmbH – Beratungs- und Inklusionsinitiative Hamburg (BIHA),
  • PHH Personaldienstleistung GmbH
  • Arbeitsgemeinschaft der Schwerbehindertenvertretungen in der Hamburger Wirtschaft,
  • Unternehmens-Netzwerk INKLUSION (Bundesarbeitsgemeinschaft ambulante berufliche Rehabilitation (BAG abR) e. V.)

Fotos in Vergrößerung:

Bild 1: Interviewrunde

Bild 2: Moderatorin Dörte Maack

Bild 3: Gruppenfoto

Bildnachweis: Anna Mutter

Weiterführender Link:

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