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Beispiel 1

Herr Richter arbeitet als Triebfahrzeugführer bei der Bahn. Im Großen und Ganzen mag er seine Arbeit, doch nach mehreren Personenunfällen fällt es ihm immer schwerer, in den Zug zu steigen. Der letzte Unfall, ein Suizid, ist nun schon mehrere Monate her, und Herr Richter hatte geglaubt, er habe das Erlebte gut verarbeitet. Doch seit einiger Zeit plagen ihn erneut Symptome wie Herzrasen, Schweißausbrüche, Händezittern und Übelkeit. Vor Kurven und an unübersichtlichen Streckenabschnitten ist es besonders schlimm; immer wieder tauchen Bilder der Unfälle vor seinem inneren Auge auf, die ihn überwältigen.

Zunächst versucht Herr Richter, die Symptome zu verbergen, doch dies belastet nicht nur ihn sondern auch seine Frau und die Kinder. Er fühlt sich erschöpft, und es fällt ihm immer schwerer, zur Arbeit zu gehen. Immer häufiger meldet er sich krank. Schließlich vertraut er sich der Betriebsärztin an. Diese erklärt ihm, dass seine Symptome auf eine Posttraumatische Belastungsstörung hindeuten, und rät ihm, einen Psychotherapeuten aufzusuchen. Dieser bestätigt die Diagnose. Der Reha-Manager der zuständigen BG nimmt sodann Kontakt zur Beraterin der FAW-Servicezentren GuT auf.

Im ersten Gespräch mit der FAW ist Herr Richter zwar traurig, dass er seinen Beruf wohl nicht mehr ausüben kann, aber er hat bereits eine Idee. Ursprünglich ist er gelernter Kfz-Mechaniker, und seine Faszination für große Fahrzeuge hat ihn schließlich zur Bahn geführt. Nun fragt er sich, ob er nicht auf seinen erlernten Beruf aufbauen kann. Mithilfe der FAW absolviert Herr Richter eine Arbeitserprobung in einem großen Autohaus, um herauszufinden, ob dieser Weg der richtige für ihn ist. Der Betrieb hat einen positiven Eindruck und würde Herrn Richter gerne einstellen und nachschulen. Herr Richter freut sich über die Anerkennung und bittet sich Bedenkzeit aus. Unter vier Augen äußert er dann seine Zweifel: Die Branche habe sich seit seiner Lehrlingszeit stark verändert, der Zeit- und Leistungsdruck sei immens. Dies traue er sich vor dem Hintergrund seiner Erkrankung nicht mehr zu. Herr Richter schlägt das Angebot aus.

Gemeinsam mit der Beraterin der FAW-Servicezentren GuT entwickelt Herr Richter andere Ideen. Er begreift, dass es ihm wichtig ist, ohne Zeitdruck zu arbeiten, und dass er gerne mit anderen Menschen zu tun hat. Außerdem ist es ihm heute wichtiger denn je, etwas Sinnvolles zu tun. Herr Richter lernt mithilfe kurzer Praktika verschiedene Berufe kennen, und allmählich kristallisiert sich ein Weg heraus. Herr Richter interessiert sich schließlich für eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger. Er hospitiert in einer Werkstatt für behinderte Menschen und wird als männliche Bezugsperson im mittleren Alter schnell angenommen. Die Mitarbeiter sind aufgrund seiner warmen, ruhigen und geduldigen Art schnell davon überzeugt, dass der Beruf zu Herrn Richter passt. Auch er selbst fühlt sich in dem neuen Umfeld sehr wohl und freut sich, dass er sein Pflichtpraktikum vor Ausbildungsbeginn dort ableisten darf.

Im Abschlussgespräch hebt Herr Richter hervor, dass es ihm besonders geholfen hat, verschiedene Berufe auszuprobieren und unterschiedliche Bereiche kennenzulernen, so dass er für sich eine informierte Entscheidung treffen konnte.