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Pressemitteilung – Neuwied 19.11.2014

 

Neuwied, 19.11.2014

"Fliegende Hände" im BTZ Neuwied

Fachtagung des BTZ Neuwied widmet sich der beruflichen Reha Hörgeschädigter

Neuwied – Die Berufliche Rehabilitation von Menschen mit Hörschädigung stand im Mittelpunkt der 6. Fachtagung des Beruflichen Trainingszentrums (BTZ) der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW). Hörende und hörgeschädigte Referenten erörterten eine Vielzahl von Ansätzen zur Verbesserung der beruflichen Integration von Menschen mit Hörschädigung.

Die intensive Debatte zum Thema Inklusion in den vergangenen Jahren hat die Situation von Menschen mit Behinderungen in vielen Bereichen verbessert. Bei allen Betroffenen angekommen ist die Inklusion aber noch lange nicht. Dass dies im Falle Hörgeschädigter sowohl für den privaten als auch den beruflichen Kontext gilt und zugleich für Hörende als auch die Betroffenen selbst, machte der Psychologe Dr. Oliver Rien in seinem umfangreichen Beitrag deutlich. 

Der selbst stark hörgeschädigte Psychologe beleuchtete entscheidenden Situationen und Probleme der Hörgeschädigten und ihrer Bezugspersonen von der Kindheit und der Familie bis in den beruflichen Alltag. In zahllosen Situationen führt mangelndes Wissen Hörender über die Behinderung, aber teils auch Info-Defizite seitens der Betroffenen, zu Missverständnissen und Einschränkungen der Kommunikation, die zum Rückzug Hörgeschädigter führen und nicht selten in eine Depression münden können, so Rien. Mit einer Vielzahl an Beispielen und praktischen Übungen machte er deutlich, wie Hörende und Hörgeschädigte Störungen in der Kommunikation gerade auch im Job vermeiden können. 

Auswirkungen auf das ganze System

Defizite erkennt Oliver Rien auch bei der Kenntnis der Betroffenen und ihrer Angehöriger über die ihnen gesetzlich zustehenden Leistungen. Dass die Hörbehinderung letztlich über den unmittelbar Betroffenen hinaus z.B. für hörende Geschwister, die sogenannten Schattenkinder, weitreichende Folgen hat, machte Dr. Oliver Rien auch im Rückblick auf seine Kindheit und Jugend deutlich: „Hörschädigungen haben immer auch Auswirkungen auf das ganze System!“

Die Ziele des Beruflichen Trainingszentrums in der beruflichen Reha für Menschen mit Hörschädigung erläuterte BTZ-Leiter Mathias Jonas. Das Berufliche Trainingszentrum Neuwied widmet sich seit 2007 der beruflichen Rehabilitation von psychisch beeinträchtigten Menschen in Neuwied. Ab 2015 soll dieses Angebot um die Zielgruppe der hörgeschädigten Menschen erweitert werden. Es müssen unterschiedliche Kompetenzen und Professionen in der beruflichen Rehabilitation vereint werden, damit eine nachhaltige Integration hörgeschädigter Menschen auf den ersten Arbeitsmarkt gelingen kann, betont  Mathias Jonas. Deshalb hat das BTZ Neuwied bereits in diesem Jahr eine Kooperation mit der ebenfalls ortsansässigen Organisation INfORMA begonnen, die seit mehr als 35 Jahren in der Beratung von hörgeschädigten Menschen tätig ist.

Die mit circa 50 Gästen besuchte Veranstaltung wurde sowohl von verschiedenen Vertretern der Sozialversicherungsträger und Fachleuten aus dem klinischen Bereich als auch von Betroffenen selbst besucht. Daher begleiteten Gebärdensprachdolmetscher der INfORMA die gesamte Veranstaltung und brachten somit auch den hörenden Anwesenden diese kunstvolle Sprache näher. Im Anschluss an die Fachvorträge bot das BTZ für Interessierte einen kurzen Gebärdensprachkurs an und gab ein Eindruck in eine angeleitete Entspannung für Menschen mit einer Hörschädigung. 

Die Bedeutung des BTZ der FAW in der Region hob der Neuwieder Oberbürgermeister Nikolaus Roth hervor. Als Einrichtung, die sich der Inklusion verschrieben hat, sei es aus der Region „nicht mehr wegzudenken“ und füge sich in die Angebote zur Inklusion ein, so Roth mit Blick auch auf die örtliche Landesschule für Gehörlose.
  

Gruppenfoto der Akteure

Im Bild: v.li.n.re.: BTZ-Leiter Mathias Jonas-Ley mit den Referenten Dr. Oliver Rien, Heike Louis (Geschäftsführerin der iNfORMA gGmbH), Erih Novak (Bereichsleiter BTZ der FAW) und Andrea Oosterdyk (Behindertenbeauftragte des Landkreises Neuwied)